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Apotheker Berthold Hillenbrand
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Ratgeber

Aromatherapie

Flaschen mit Aromen

Die Wahrnehmung von Düften und Wohlgerüchen spielt für das sinnliche Erleben und damit für die Gesundheit eine wichtige Rolle. Seit vielen Jahren gibt es aromatische Essenzen auf dem Markt, mit denen sich eine wohlriechende Atmosphäre in die eigenen vier Wände zaubern lässt. Doch es geht um mehr als sinnliche Empfindungen, die über unsere Nase aufgenommen werden können.

Vom Nutzen ätherischer Öle

Duftessenzen haben eine positive Wirkung auf das vegetative Nervensystem und können zur Konzentration oder Entspannung beitragen. In der Naturheilkunde werden Duftessenzen als Heilmittel eingesetzt. Dabei geht es nicht nur um wohltuende Gerüche und die Inhalation von ätherischen Ölen wie Eukalyptus bei Erkältungen. Das Einatmen von Heildüften zur Linderung von Krankheiten war die ursprüngliche Therapieform in der Naturheilkunde. Im Laufe der Zeit wurde das therapeutische Anwendungsgebiet der Aromatherapie mehr und mehr verfeinert.

Heute ist bekannt, dass die Inhaltsstoffe auch über die Haut oder als orale Einnahme wirksam sind. So finden beispielsweise in der Gefäßchirurgie oder Frauenheilkunde duftende Wirkstoffe heilenden Einsatz. Ätherische Öle stimulieren und unterstützen das Immunsystem, helfen in der Bekämpfung von Erkältungen, Muskelschmerzen oder Hautproblemen. Außerdem wirken sie harmonisierend und beruhigend, d.h. sie können bei Einschlafstörungen oder Angstzuständen helfen.

Die komplexe Zusammensetzung ätherischer Öle, die oft an die hundert Bestandteile enthalten, ist ein Grund für ihre vielfältige Wirksamkeit. In ätherischen Ölen sind unzählige Wirkstoffe enthalten, die auch gegen Bakterien, Pilze und sogar Viren helfen können. Ätherische Öle können wie Antibiotika wirken. Anders als bei der Behandlung mit Antibiotika entstehen keine Keimresistenzen, da selbst gleiche Öle in ihrer Zusammensetzung immer etwas unterschiedlich sind.

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Verwendung von ätherischen Ölen ist die Tatsache, dass die Öle in großer Effizienz in den Körper hineingelangen und ihn auch wieder verlassen, ohne das Giftstoffe zurückbleiben. Ätherische Öle sind in vielen Pflanzen enthalten und dienen dort als Hormone, Regulatoren und Katalysatoren. Heute gibt es weltweit mehr als 300 verschiedene ätherische Öle, die von Fachleuten genutzt werden. Ätherische Öle haben eine direkte Wirkung und können zur physischen Heilung verwendet werden. Sie wirken auf unsere Zellmembran, modulieren diese und regen dort eine Reihe von Wirkungen an, die sich unterscheiden, je nach dem, um welche Zelle es sich handelt, und wie die Membran aufgebaut ist.

Grenzen und Gefahren

Doch der Anwendung sind auch Grenzen gesetzt. Fachkundiger Umgang mit den meist ätherischen Ölen ist nötig, denn bei unsachgemäßem Gebrauch kann es durchaus zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Wichtig ist bei allen therapeutischen Anwendungen, dass der Rat von Fachkräften, z.B. von Ihrem Apotheker, eingeholt wird. Ätherische Öle sind zum einen hochkonzentrierte Wirkstoffe, die auf Physis und Psyche wirken. Je nach gesundheitlichem und mentalen Zustand können sie Physis und Psyche mehr oder weniger stark beeinflussen und im ungünstigsten Fall auch beeinträchtigen. Dies kann dann der Fall sein, wenn entweder das "falsche" ätherische Öl ausgesucht wurde, oder wenn ein Anwendungsfehler vorliegt.

Viele Aromastoffe werden vom Laien nach dem Prinzip "Viel hilft viel" zu hoch dosiert. Das Risiko einer unerwünschten Wirkung und Allergie ist jedoch höher, wenn ätherische Öle in hohen Konzentrationen oder gar unverdünnt verwendet werden. Bei Duftlampen wird leider oft Missbrauch getrieben. Sie werden den ganzen Tag brennen gelassen und ätherische Öle in höchster Konzentration eingesetzt. Die erhoffte wohltuende Wirkung bleibt aus, Kopfschmerzen können die Folge sein. Auch sollten Allergiker Duftstoffe nur zu therapeutischen Zwecken einsetzen, besser auf eine tägliche Dauer-Aromatherapie verzichten.

Darauf ist besonders zu achten

Die Einnahme ätherischer Öle sollte erst nach Empfehlung durch den Apotheker, Arzt oder speziellen Aromatherapeuten erfolgen, die das jeweilige ätherische Öl in allen therapierelevanten und toxikologischen Aspekten genau kennen.

Bei Kindern sollte man mit der Anwendung ätherischer Öle - z.B. bei Erkältungen - sehr vorsichtig sein. Ätherische Öle sind sehr stark konzentriert und können auf zarter Kinderhaut sogar zu Verbrennungen führen. Außerdem können Eltern nur schwer beurteilen, ob die ätherischen Öle und deren Düfte von ihren Kindern als angenehm empfunden werden. Zudem sind Eltern nicht in der Lage zu beurteilen, ob auftretende Hautrötungen nicht auf eine Allergie schließen lassen. Bei Kleinstkindern sollte eher auf die Verwendung von ätherischen Ölen zur Einreibung verzichtet werden. Dort erzielen sie das Gegenteil von dem, was bei Erwachsenen positiv bewirkt wird - das Abhusten wird nicht erleichtert, sondern gestört.

Säuglinge bis zu einem Jahr sollten möglichst nur in Ausnahmefällen mit ätherischen Ölen behandelt werden. Ihre Haut ist noch sehr durchlässig und empfindlich. Zudem lösen viele ätherische Öle festen Schleim in den Atemwegen. Babys erlernen jedoch erst mit zunehmenden Bewegungen das Abhusten, sodass ein Zuviel an Schleim ernste Atemstörungen hervorrufen kann. Cineolhaltige Öle wie Eukalyptus, billiges "Tea Tree", Ravensara, Niaouli und sogar das recht milde Cajeput können insbesondere bei nicht erkannten spastischen Atemwegserkrankungen lebensgefährlich werden.

Auch bedeuten mentholhaltige (Pfefferminze, Ackerminze) ätherische Öle eine ernste Gefahr (Krampfbereitschaft) für die noch nicht sehr kräftigen Atemwege. Eine Ausnahme ist das pflegende und reinigende Rosenöl, sowie eine einprozentige Mischung von Sandelholz-Öl und Tea-Tree Öl in Calendula-Öl bei Milchschorf. Auch eine einprozentige Anti-Blähungs-Mischung mit Anis-, Fenchel-, Koriandersamen- und Kümmel-Öl wird meistens gut vertragen und hat zudem eine stresslösende Wirkung. Im Zweifelsfalle sind jedoch die Gabe von Tees oder von homöopathischen Mitteln für die ganz Kleinen eine sanftere Behandlung.

Qualität und Reinheit

Ätherische Öle können aus Pflanzen gewonnen oder chemisch synthetisiert werden. In beiden Fällen sind enorme Qualitätsunterschiede möglich. Die Aromatherapie bevorzugt ätherische Öle aus kontrolliert biologischen Anbau, Wildwuchs. oder konventionellem (rückstandsfreiem) Anbau, der besonders für Allergiker geeignet ist. Jede Abweichung von den natürlichen Lebensbedingungen der Pflanze verändert die Zusammensetzung der Duftsubstanz. Für nur ein Kilogramm ätherischen Öls sind häufig Hunderte von Kilogramms des Pflanzenmaterials notwendig. Daher sind echte ätherische Öle nicht nur kostbar, sondern auch teuer. Die Bezeichnung "echtes ätherisches Öl" bietet keinerlei Reinheits- oder Qualitätsgarantie. Richtig ist dagegen die Angabe "100 Prozent reines ätherisches Öl".

Wichtig ist, dass das Verfahren zur Extraktion schonend ist, um die wertvollen Bestandteile nicht zu zerstören. Allein im Rosenöl sind 400 chemische Verbindungen enthalten. Ätherische Öle müssen sorgfältig und unter Beachtung bestimmter Regeln aufbewahrt werden. Durch den Einfluss von Sauerstoff, Licht und Wärme werden sonst unkontrollierte Oxidationsprozesse in Gang gesetzt, welche die Qualität der Öle mindern. Deshalb ist eine Lagerung in dunklen Flaschen besonders wichtig. Experten überprüfen und garantieren die Reinheit ätherischer Öle. Nur geprüfte und 100 Prozent reine ätherische Öle werden zu Heilzwecken verarbeitet. Die Herstellung von Präparaten für medizinische Zwecke liegt in den Händen pharmazeutischer Fachkräfte.